Cthulhu Libria 55

Hochverehrte Tiefenwesen, liebe Mitshoggothen,

 

am 20. März war Frühlingsanfang. Die Zeit also, in der die Gefühle höher schlagen und der Wille zur Vermehrung besonders stark wird, ist gekommen. Nicht etwas, dass irgendjemand behauptet, wir würden über so etwas menschlichem wie Gefühle verfügen. Doch immerhin erfreut sich Cthulhu Libria eines ständigen Wachstums. Und somit möchten wir zwei neue Mitglieder herzlich in unserer Reihe begrüßen: Julia Vogel und Markus Solty! Wir freuen uns sehr über das Mitwirken beider und hoffen, dass sie in unseren Fängen viele phantastische und unheimliche Stunden genießen können. In diesem Sinne: Herzlich willkommen, ihr beiden!

 

Ein weiterer Neuerung gibt es auch für den »Novitätenbericht« zu vermelden. Ab dieser Ausgabe wollen wir versuchen, Euch noch mehr Informationen über die jeweiligen Bücher zu bieten. Aus diesem Grund wird es zu einigen Titeln auch kurze Intervieweinschübe von Verlegern, Autoren, Übersetzern und so weiter geben. Weiterhin wollen wir im »Rezicenter« eine ausgewogene Mischung an Besprechungstexten bieten, die bereits von unseren Rezensenten auf anderen Portalen wie LITERRA oder HORROR AND MORE zu finden sind, und exklusiven Texte. Für CL 55 ist uns diese Vorhaben geglückt und es finden sich Rezensionen von Elmar Huber, Markus Solty, Florian Hilleberg, Carmen Weinand, Thomas Hofmann und Eric Hantsch darin.

Für das »Phantastische Allerlei« hat Axel Weiß tief in der Klamottenkiste gegraben und ein »historisches Dokument der Aufklärung« hervorgeholt. Seinen Artikel Mit Blutegeln gegen Gespenster sollte man sich nicht entgehen lassen.

Außerdem gibt es ein Interview mit dem deutschen Cyberpunk-König Frank Hebben zu seinem neuen Buch Das Lied der Grammophonbäume, das kürzlich im Begedia Verlag erschienen ist.

»Aus dem vergessenen Bücherregal« derweil, hat Nina Horvath eine SF-Anthologie gezogen, die aus dem üblichen Genrerahmen fallen dürfte.

 

Abgerundet wird die Ausgabe mit zwei kurzen Graphic-Novels von Johann Peterka, der wieder den blasphemischen Pinsel geschwungen hat.

 

Tentaklige Grüße

Eric Hantsch und das CL‐Team

 

Link: http://www.literra.i…abe.php?id=1444

Buchhändlerinterview #3: Jakob Schmidt mit Otherland

Inzwischen sind wir bei Teil 3 des Logen-Specials über Phantastikbuchhändler angelangt. Dieses Mal steht Jakob Schmidt mit seinem Buchladen Otherland Rede und Antwort.

Das Interview führte Nina Horvath.

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Die Loge: Hallo Jakob, das ist ja nicht Dein erstes Interview, aber anders als sonst wird es dieses Mal nicht vorrangig um deine Autorentätigkeit gehen, sondern eben um dich als Buchhändler. Beschreibe doch bitte erst einmal kurz deinen Laden Otherland: Wo liegt er und was wird da geboten?

Jakob Schmidt: Das Otherland befindet sich in der Bergmannstraße in Kreuzberg, inzwischen eine der schönsten Bummelstraßen von Berlin. Geboten werden Bücher aus allen fantastischen Genres, in deutscher und in englischer Sprache – besonders das englischsprachige Angebot haben wir seit der Gründung 1998 (damals noch unter dem Namen Ufo) beständig erweitert, und inzwischen ist es fast schon unser wichtigstes Standbein. Außerdem haben wir noch eine kleine, aber feine Comicauswahl. Unseres Wissen sind wir deutschlandweit die einzige Buchhandlung, die auf Fantasy, SF und Horror spezialisiert ist.

Die Loge: Jetzt wirst Du ja zusammen mit zwei Kollegen die Geschäftsführung übernehmen. Bleibt damit alles so, wie es war, oder weht jetzt ein frischer Wind? – Falls letzteres der Fall ist: Was wird sich ändern, was kommt dazu, oder kommt umgekehrt was weg?

Jakob Schmidt: Vom Grundcharakter her wird sich nichts am Otherland ändern – die Kontinuität ist auch dadurch gewährleistet, dass Simon Weinert, Wolfgang Tress und ich, die den Laden in Zukunft fortführen werden, allesamt seit 8-10 Jahren hier im Otherland arbeiten. Birgit Herden und Hannes Riffel, denen das Otherland bisher gehörte, bleiben uns weiter verbunden; Beide haben sich inzwischen beruflich einfach anders orientiert.

Neues ausprobieren wollen wir also nicht bei unserem Konzept, sondern bei seiner Präsentation. Das bedeutet vor allem, dass wir vermehrt Lesungen, Ladentreffs und ähnliche Veranstaltungen anbieten werden; auch auf unserer Webseite soll es in Zukunft lebendiger zugehen, dort wird es täglich neue Lesetipps und Nachrichten aus der Welt der Phantastik geben. Darüber hinaus werden wir in Zukunft mit E-book-Händlern zusammenarbeiten, den Versand von Büchern anbieten und zu guter Letzt die Ladenräume umgestalten.

Unseren Otherland-Stammkunden bleiben wir also als die Buchhandlung erhalten, die sie kennen und lieben.

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Die Loge: Jetzt seid ihr ja dann drei Geschäftsführer. Wie ist denn das, kümmert sich da einer speziell um Horror und ein anderer um Science-Fiction oder wie teilt ihr euch die Aufgaben auf?

Jakob Schmidt: Für das Horror-Regal bin in erster Linie ich zuständig. Das heißt aber nicht, dass die anderen sich da nicht einmischen – wir lesen alle gerne querbeet und versorgen uns gegenseitig mit Tipps.

Die Loge: Wie ist denn der typische Otherland-Kunde? Ist das mehr so ein eingefleischter Szenist, der selbst schreibt und/oder dem man auch auf Cons und Fanclubtreffen begegnet oder sind das eher durchschnittliche Leute, die ab und an gerne einfach gerne einen Fantasyroman lesen oder auch ein Geschenk, beispielsweise für die jugendliche Tochter, suchen?

Jakob Schmidt: Die allermeisten Kunden bei uns empfinde ich tatsächlich als ganz durchschnittlich – was immer man darunter versteht. Das geht quer durch alle Altersgruppen. Wir haben auch öfters mal ganze Familien im Laden stehen, wo die Kinder sich dann ein Jugendbuch suchen und die Eltern sich bei der Fantasy oder SF umschauen. Die eingefleischten Szene-Leute machen bei uns eher einen kleinen Teil der Kundschaft aus.

Die Loge: Was sind denn jetzt die Vorteile für ihn, wenn ein Kunde zu euch in den Laden kommt, statt sich seinen Lesestoff einfach über das Internet zu besorgen?

Jakob Schmidt: Zuerst einmal natürlich die Beratung. Ein Gespräch lässt sich eben nicht durch „Wer dieses Buch gekauft hat, mag auch …“-Buttons ersetzen. Wenn wir mit Kunden darüber reden, welche Bücher ihnen gefallen haben, entstehen oft ganz überraschende Assoziationsketten, die kein Internet-Shop reproduzieren kann. Außerdem haben wir als Buchhändler natürlich die Backlist unseres Leselebens im Kopf und empfehlen gerne und häufig auch unbekannte oder ältere Bücher, die bei den großen Internetshops durchs Raster fallen. Und was wirklich wichtig ist: Wir raten Kunden auch öfters mal von Büchern ab, wenn wir den Eindruck haben, dass etwas überhaupt nicht ihren Lesevorlieben entspricht.

Was übrigens auch erstaunlich oft vorkommt, ist, dass die Kunden bei uns ins Gespräch über Bücher kommen und sich gegenseitig beraten. Und aus diesen Gesprächen bekommen wir als Verkäufer natürlich auch wieder Informationen, die wir dann weitergeben.

Zuletzt sind wir auch ein „Autorenbuchladen“: eine Menge Autoren aus Berlin und von anderswo kennen und schätzen uns und kaufen bei uns ein; Boris Koch hat sogar über zehn Jahre hier gearbeitet und ist uns immer noch verbunden. Die Chance ist gar nicht so schlecht, dass man im Otherland einem Autor über den Weg läuft, den man schätzt – oder dass man ein signiertes Buch im Regal findet.

Die Loge: Wird denn überhaupt noch über den Buchhandel bestellt, wenn ein Buch nicht lagernd ist, oder winken dann die Kunden ab?

Jakob Schmidt: Doch, die Kunden bestellen sehr häufig bei uns – und nicht nur SF und Fantasy, sondern auch Schulbücher, Sachbücher oder Romane aus anderen Genres. Für viele, die in der Nähe wohnen, ist es sogar bequemer, wenn sie ihr Buch am nächsten Tag oder auch die Woche darauf bei uns abholen können, anstatt sich damit herumzuärgern, dass wieder mal ein Amazon-Päckchen verschollen ist oder beim Nachbarn liegt, der die Tür nicht aufmacht.

Die Loge: Wie wichtig sind denn die Angebote von Kleinverlagen für Otherland?

Jakob Schmidt: Um ehrlich zu sein: Der Umsatzanteil der Kleinverlage ist sehr gering. Deshalb ist es bei den Kleinverlagen für uns noch sehr viel wichtiger, genau auszuwählen, welche Titel wir ins Programm nehmen. Kleinverlagsbücher werden praktisch nur auf direkte Empfehlung gekauft – das heißt, dass wir uns über jeden entsprechenden Titel gut informieren müssen. Dazu kommt der Umstand, dass Kleinverlagstitel oft nicht lange oder gar nicht beim Großhändler zu haben sind und dass Direktbestellungen bei sehr kleinen Mengen sich oft weder für uns noch für die Verlage wirklich lohnen. Kurz: Kleinverlagstitel machen relativ viel Arbeit und bringen kaum Geld in die Kasse.

Andererseits ist es aber ein tolles Gefühl, wenn es einem gelingt, einen wirklich guten Kleinverlagstitel zu pushen. Im Horrorbereich ist so ein Fall für mich zum Beispiel Eddie M. Angerhubers grandiose Storysammlung „Die darbenden Schatten“, die bei uns vielleicht kein Megaseller ist, die aber durchaus dann und wann mal über die Ladentheke geht. Und dann gibt es natürlich auch noch den quasi hauseigenen, von Hannes Riffel gegründeten Kleinverlag Golkonda, aus dem sich einige Titel sich bei uns zu absoluten Ladenbestsellern gemausert haben, einfach, weil wir selbst so begeistert von ihnen sind und das auch vermitteln.

Die Loge: Jetzt habt ihr ja auch eine Facebookseite für den Laden. Was bringt denn das deiner Ansicht nach und wird da nicht viel Potential mit sogenannten „Likern“ verschenkt, die einfach viel zu weit wohnen, um den Laden zu besuchen?

Jakob Schmidt: Nun ja, ein Liker, der weit weg wohnt, wüsste ohne die Facebook-Seite ja möglicherweise nicht mal, dass es uns gibt, von daher schadet es in keinem Fall, wenn er auf uns aufmerksam wird. Außerdem planen wir ja wie gesagt, in Zukunft auch Bücher zu versenden.

In erster Linie ist so eine Facebook-Seite aber natürlich ein weiterer Weg für uns, mit der Lesergemeinde in Kontakt zu treten. Ob das jetzt unmittelbar Verkäufe generiert, ist gar nicht so wichtig, es kommt darauf an, dass ein guter Draht zwischen uns und den Lesern besteht.

Die Loge: Gibt es auch Veranstaltungen im Otherland, beispielsweise Lesungen oder Signierstunden? – Falls ja, was sind die Beweggründe, so etwas zu veranstalten?

Jakob Schmidt:  Klar, wir machen mindestens drei bis vier Lesungen im Jahr, zuletzt beispielsweise mit Kai Meyer, der aus seinem Horrorroman Asche und Phönix gelesen hat. Vor allem machen wir solche Lesungen natürlich, weil es uns Spaß macht und weil wir selbst gerne mit den Autoren zusammentreffen – das Otherland gibt uns Gelegenheit, persönlich Stars wie Tad Williams und Peter V. Brett oder Kultautoren wie Jeff VanderMeer, Hal Duncan und Mark Z. Danielewski kennenzulernen. Das ist allein schon für uns selbst enorm interessant. Und es trägt dazu bei, dass unsere Kunden das Otherland als einen Ort begreifen, den es zu erhalten und zu unterstützen gibt. Die Leute wissen ja ganz genau, dass wir ihnen solche Lesungen nur bieten können, wenn sie dafür bei uns dann und wann ein Buch kaufen.

Die Loge: Es wird immer wieder beklagt, dass deutscher Horror ein Schattendasein fristet. Stimmt das Deiner Meinung nach? Und was könnte dazu beigetragen werden, dass der Buchhandel sich mehr dafür interessiert, sei es, dass die Autoren andere Thematiken aufgreifen, Verlage anders auswählen oder vermarkten oder was auch immer.

Jakob Schmidt: Ich betrachte das in erster Linie aus der Perspektive des Lesers, und da muss ich sagen, dass die Frage nach deutschem Horror für mich nicht so im Vordergrund steht. Horror ist ja, wenn man mal die Urban-Fantasy-Welle und Ausnahmeerscheinungen wie Stephen King und Sergej Lukianenko außer acht lässt, eine Nischenliteratur. Warum sollte es deutschsprachigen Horrorautoren da anders gehen?

Ich habe natürlich ein Interesse dran, dass auch auf Deutsch guter Horror geschrieben und verlegt wird. Und genau das passiert ja auch – die wirklich guten Autoren wie Malte S. Sembten, Tobias O. Meißner oder Eddie M. Angerhuber finden schon ihre Leser. Und ich habe den Verdacht, dass sie nicht deshalb so gut sind, weil sie sich fragen, „was sollte ich als deutscher Horror-Autor schreiben“,  sondern weil sie sich gerade nicht den Kopf um solche Imagefragen zerbrechen. Ich würde mich also nie dazu versteigen, den Autoren zu sagen, dass sie doch mal diese oder jene Thematik aufgreifen sollen, um erfolgreich zu sein. Gerade im Horror-Genre will ich das Lesen, was den Autoren buchstäblich in den Eingeweiden steckt – und das ist immer etwas Individuelles.

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Die Loge: So, zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Was ist denn nun Dein deutschsprachiges Lieblingsbuch im Bereich der deutschsprachigen Phantastik? Gibt es vielleicht sogar einen Horrorfavoriten?

Jakob Schmidt: Mein Lieblingsbuch in der deutschsprachigen Phantastik ist derzeit Dietmar Daths Pulsarnacht – das ist einfach eine großartige, abgedrehte, politische, gefühlvolle und knallige Space Opera. Mein deutschsprachiger Lieblingshorrorroman ist Sonky Suzid von Gero Reimann – ein abgründiges, surreales Bild der kalten Zeit nach dem Deutschen Herbst, dass einem echt an die Nieren geht, und sprachlich sehr eigenwillig. Ich habe das Buch selbst lektoriert und war auch an der Herausgabe beteiligt; leider konnte es erst nach dem Tod des Autors erscheinen.

Die Loge: Vielen Dank für das interessante Interview!

Cthulhu Libria 54 erschienen

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Der Blick in das Zine lohnt diesen Monat besonders, denn die Verlage habe ein Gros an Neuerscheinungen zu bieten, was zweifellos auch der Leipziger Buchmesse geschuldet ist, die in wenigen Tagen ihren Anfang nehmen wird. Daneben gibt es wieder Rezensionen von Elmar Huber, Florian Hilleberg, Benjamin Kentsch, Carmen Weinand, Eric Hantsch und Jörg Herbig, die Euch hoffentlich Lust machen, zu dem einen oder anderen besprochenen Titel zu greifen.
Von Jörg Herbig gibt es darüber hinaus noch einen Artikel über das Theaterspiel der Dramatischen Bühne, die am 9. Februar 2013 in der Exzess-Halle zu Frankfurt/Main die Stücke Das Wachsfigurenkabinett, Shining und Der Exorzist in grandiose Bühnendarbietungen verwandelten.
Zum guten Schluss entführt der Autor Dennis Schmolk in ein ganz besondere Stadt, die auf den ersten Blick faszinierend wirkt, jedoch nicht ganz geheuer ist – wie die Protagonisten von Die Stadt der Treppen schon bald feststellen müssen.

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Buchhändlerinterview #2 mit Jürgen Eglseer von Amrûn

Herzlich willkommen beim zweiten Interview mit einem Phantastikbuchhändler! Dieses Mal stellt sich Jürgen Eglseer mit seinem neugegründeten Webshop Amrûn den kritischen Fragen der Loge.

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Das Interview führte Nina Horvath.

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Die Loge: Zunächst mal hallo Jürgen und vielen Dank dafür, dass du dich bereit erklärt hast, dich meinen Interviewfragen zu stellen! Dein bekanntestes Projekt ist ja sicherlich die Seite Fictionfantasy, aber bei diesem Interview wird der Schwerpunkt auf deiner Tätigkeit als frischgebackener Online-Buchhändler liegen. Beschreibe doch bitte mal kurz, was es mit deinem Laden so auf sich hat, wie du auf die Idee gekommen bist und was es so im Angebot gibt!

Jürgen Eglseer: Amrûn ist nicht nur ein einfacher Online-”Buchladen”. Amrûn ist beides – Verlag und Marktplatz.Ziel des Marktplatzes ist es, eine Plattform zu bieten, auf der der Kunde die Produktpalette der deutschen Independentszene auf einem Blick sehen und auch erwerben kann. Dabei ist es mir wichtig, dass die beteiligten Verlage als wichtig und wertvoll und mit Respekt behandelt werden und der vereinbarte Rabatt, den ich für das verkaufen bekomme, so gestaltet ist, dass auch der Verlag damit glücklich wird. Bei diversen Großanbietern ist das ja nicht so ganz der Fall.Zudem bietet die Plattform natürlich eine Basis für die verschiedensten Möglichkeiten, GEMEINSAM etwas zu organisieren – sei es Öffentlichkeitsarbeit, Druckkosten und so weiter. Hier gäbe es viele Ansatzpunkte. Nicht jeder Verlag wird da mitspielen, aber ich sehe schon, dass bei vielen das Interesse sehr groß ist. Amrûn soll nicht nur eine weitere Verkaufsplattform darstellen, sondern mehr bieten. Das Ergebnis können vielfältigere und günstigere Angebote von Büchern sein – etwas, was dem Leser nur zugute kommen wird.Der zweite Punkt sind die Eigenproduktionen von Amrûn – das (fast) klassische Verlagsgeschäft.  Wir bieten den Autoren sehr gute Konditionen und zusätzlich die Möglichkeit, aktiv ihren Anteil am Bucherlös zu steigern. Wir konnten schon einige hiervon überzeugen, so werden im Laufe des Jahres etliche neue Bücher verschiedenster Genres das Licht der Welt erblicken.

Die Loge: Jetzt heißt der Laden Amrûn. Wie kommt man denn auf so einen Namen? – Und noch was anderes: Der Name enthält ja nun mal ein diakritisches Zeichen – eben dieses „seltsame U“ – das jemandem mit Muttersprache Deutsch wohl nicht so geläufig ist. Mir persönlich stellt sich da tatsächlich die Frage: Warum? Soll das bewusst exotisch sein? Und nimmst du es dann selbst genau damit, wenn du beispielsweise jemandem auf die Schnelle per Mail über deinen Laden schreibst?

Jürgen Eglseer: Amrûn ist elbisch und bedeutet „Sonnenaufgang“. Die Namenswahl ist einerseits persönlicher Natur und zweitens doch ziemlich romantisch, oder? Das „seltsame U“ gehört da eben hin, weil dieses Wort eben so geschrieben wird. Damit wird das „u“ betont. Natürlich wirkt das exotisch, das war aber nicht der erste Gedanke bei der Namenswahl. Das ALT+150 habe ich mittlerweile recht schnell draus, somit vergesse ich das û in der Kommunikation kaum mehr. Höchstens mal im Facebook-Chat …

Die Loge: Jetzt wird ja meist direkt vom Verlag aus versendet. Was ist denn jetzt der Vorteil, wenn ein Kunde bei dir bestellt, statt direkt dort?

Jürgen Eglseer: Die Kunden selber haben gar keinen besonderen Vorteil hieraus. Ich hoffe doch, dass die Verlage genau so schnell versenden, wie ich das tun würde. Allerdings haben die Kleinverlage – auf deren besondere Behandlung ich ja wert lege, zwei Vorteile: Einerseits sparen sie einmal das Porto und andererseits haben sie durch das eigene Versenden kein teure, fremde Lagerhaltung, immer den tatsächlichen Bestand der Bücher im Blick. Im Gegensatz zu Plattformen wie Amazon behalten hier die Verlage und Selbstverleger das Heft in der Hand.

Die Loge: Viele Kleinverlage – darunter auch solche aus deinem Angebot wie Wurdack, BLITZ oder Begedia – sind ja auch bei Amazon, Weltbild und im Thalia-Webshop vertreten. Ist dein Shop einfach nur ein weiteres Angebot in der Welt der Online-Märkte?

Jürgen Eglseer: Nein, im Gegensatz zu den von dir genannten Plattformen sind die entsprechenden Rabatte auf einer ganz anderen Ebene. Ein Verleger soll auch mit einer kleinen Auflage Geld verdienen können.

Die Loge: Wenn jetzt jemand Verleger oder Selbstverleger ist, welche Kriterien muss der denn erfüllen, um in deinen virtuellen Katalog aufgenommen zu werden?

Jürgen Eglseer: Primär muss es sich für ihn – und auch für mich lohnen. Bislang scheitern nur Selbstverleger bei Amazons CreateSpace oder bei Book on Demand an dem Konzept, da diese Verriebswege nicht darauf ausgelegt sind, dass der Autor selbst verkauft.

Die Loge: Und was haben Verlage und selbstverlegende Autoren jetzt davon? Willst du vielleicht konkrete Konditionen nennen oder ist das auf Verhandlungsbasis von Fall zu Fall?

Jürgen Eglseer: Du wirst doch nicht glauben, dass ich dir konkrete Konditionen nenne! [lacht] Nein, im Ernst – im Grunde entscheidet das mein Partner. Die Höhe ist von vielen Faktoren abhängig und ich habe auch eine Obergrenze, bei der ich klar sage, dass ich hier nicht mehr nehme. Das würde meiner Idee einer fairen Plattform für „die Kleinen“ widersprechen. Das finden manche jetzt vielleicht dumm, ich nenne es ehrlich. Ich bin lange genug in diesem Geschäft, um zu wissen, wie knapp manche Verlage kalkulieren müssen, um auch nur die Herstellungskosten eines Buches wieder herein zu bekommen. Und was haben sie davon? Klar – weniger Rabatt bedeutet mehr Verdienst.

Zudem probieren wir derzeit mit zwei bekannten Autoren ein Konzept aus, das vielleicht eine für den Autor profitablere Alternative zu CreateSpace darstellt. Hier bin ich sehr gespannt.

Die Loge: Jetzt ist es natürlich so, dass du sehr viel Phantastik im Programm hast. Das ist durch deine bisherigen Projekte ja kein Zufall, aber wie schaut es in Zukunft aus? Soll das Schwerpunkt bleiben oder hast du einfach für den Anfang bereits bestehende Kontakte genutzt und wirst später auch beispielsweise mit Sachbuch- und Lyrikverlagen kooperieren?

Jürgen Eglseer: Die Phantastik ist und bleibt ein Schwerpunkt, allerdings haben wir auch mittlerweile zahlreiche andere Bereiche der Literatur im Programm. Zum Beispiel Krimis, erotische Literatur, Biografien oder Kinderbücher.

Die Loge: Selbstverlag ist klar, aber Kleinverlag ist doch ein recht schwammiger Begriff. Viele zählen da hauptsächlich oder ausschließlich hobbymäßig betriebene Ein-Personen-Betriebe dazu, andere machen das an der Zahl der Neuerscheinungen pro Jahr fest oder am Jahresumsatz oder ob zumindest ein Mann oder eine Frau „davon leben kann“. Wie definierst du persönlich, was ein Kleinverlag ist?

Jürgen Eglseer: Man könne jetzt auch die offizielle Definition nehmen, nach der ein Kleinverlag ein Betrieb mit einem Umsatz zwischen einer und zwei Millionen Euro darstellt – alles darunter sind Kleinst-, Mikro- und Hobbyverlage. Wo setze ich da die Grenze? Sehr schwammig. Ich denke, es ist kein Verbrechen, wenn jemand von den Erlösen aus seinem Verlag leben kann. Guido Latz zum Beispiel ist hier ein Vorbild. Für mich persönlich ist die Entscheidung, ob mein Partner in das Konzept passt, oder nicht, eigentlich Bauchsache. Darauf sollte man doch immer wieder mal hören.

Die Loge: Und wenn jetzt ein größerer Verlag oder ein Label eines größeren Verlags dich anschreibt und um Aufnahme bittet, wie stehst du dazu? – Würdest du das kategorisch ablehnen oder wäre es eine Überlegung wert, wenn der zu deinen Konditionen einsteigt?

Jürgen Eglseer: Wenn mich ein Publikumsverlag anspricht, würde ich, trotz vorhandener Sympathie für dieses Unternehmen, ablehnen. Das Konzept von Amrûn beinhaltet Kleinverlage und Selbstverleger – da passen große Betriebe nicht hinein. Es geht mir ja, wie oben erwähnt, nicht um das reine Verkaufen, sondern darum, die Idee der Independent-Szene im deutschsprachigen Raum zu stärken.

Die Loge: Und wie stehst du zum Thema Zuschussverlage? – Würdest du die Bücher solcher Unternehmen in den Katalog aufnehmen?

Jürgen Eglseer: Du wolltest, dass ich in ganzen Sätzen antworte. Gut: nein, nein, nein.

Die Loge: Wird es später neben dem gedruckten, neuen Buch auch weitere Angebote geben, beispielsweise Gebrauchtware oder E-Books?

Jürgen Eglseer: Wir wollen auf Amrûn uns nicht nur auf Print beschränken, aktuell führen wir gerade Gespräche mit einem großen E-Book-Anbieter. Klarheit wird die Buchmesse in Leipzig bringen, dann sehen wir weiter, wie wir das gestalten können. Gebrauchte Bücher anzubieten – das kann eine Erweiterung sein, die allerdings noch nicht im Raum steht. Erst einmal muss Amrûn als Name bekannt werden und seinen guten Service beweisen

Die Loge: So, jetzt kommen wir zum Ende des Interviews, da einfach noch eine lockere Frage: Du hast natürlich gerade erst angefangen, aber es ist ja schon eine gewisse Zahl an Büchern in deinem Shop zu finden. Hast du da schon ein Lieblingsbuch aus deinem eigenen Angebot? Oder eines, das du selbst unbedingt noch lesen willst?

Jürgen Eglseer: Da tendiere ich gleich zu einer ganzen Buchreihe: Ich kann mich seit meiner Jugend immer noch und immer wieder für die Mark Brandis-Reihe begeistern. Ernst Wurdack legt diese Wunder meiner Kindheit neu auf und ich kann sie jedem nur wärmstens empfehlen.

Die Loge: Vielen Dank für das interessante Interview!

Cthulhu Libria 53

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Cthulhu Libria, das Magazin für lovecraftsche Phantastik und Literatur, ist soeben in der 53. Ausgabe erschienen.

Darin finden lassen sich nicht nur die aktuellen Neuerscheinungen der Phantastik-Verlage aus dem Januar 2013, sondern auch Rezensionen von Elmar Huber, Jörg Herbig, Benjamin Kentsch, Thomas Backus, Carmen Weinand und Eric Hantsch.

In der Rubrik Phantastische Allerlei gibt es den Artikel »Der Untergang der Carnatic. Eine Gespenstergeschichte taucht auf« von Axel Weiß zu goutieren; und als krönenden Abschluss ein neue Graphic-Novel – »Shadow over Innsmouth« – von Johann Peterka.

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Carmen Weinand (Horror and More) gibt den Running Man

Horror and More Carmen Weinand Rezensionen Homepage

Die Loge: Hallo Frau Carmen Weinand, willkommen im Vorabendprogramm der Pilawa-Fake-Show „Carmen gegen Deutschland“ für Senioren und solche, die es einmal werden wollen. Das Programm wird aus den dunklen Senderkatakomben der Loge, seines Zeichens geheime Kommandozentrale der deutschen Phantastik, in das weltweite Fernsehnetz eingespeist. Ohne große Vorstellung für das Publikum, wirst du in das Running Man-Kostüm geworfen und darfst in die Manege.

Auf zu Runde 1, Buchstabenspiel:

Stelle dich selbst in sex (huch, das ist ja gar nicht für das Blatt mit den vier großen Lettern) sechs Sätzen vor. Dabei ist zu beachten, dass jeder Satz mit einem Buchstaben aus deinem Namen beginnen muss. Die richtige Reihenfolge von C-A-R-M-E-N solltest du einbehalten, sonst scheiterst du gleich zu Beginn.

Carmen:

C … Verdammt!

Auf jeden Fall bin ich menschlich – glaube ich.

Reich wird man mit solchen Interviews wohl nicht, oder?

Mein Sohn findet mich cool. Darauf bin ich stolz. Ich meine, wer hat schon eine Horror-Mutti?

Eines Tages wird man meine Leiche unter einem Bücherhaufen finden.

Nein, ich habe keine Silikonbrüste und meine Lippen sind auch nicht aufgespritzt.

Die Loge: Eine kurze Zwischenfrage zum Auflockern: Seit wann betreibst du die ‚Testwerkstatt‘, besser bekannt als die Rezensions-Seite ‚Horror and More‘?

Carmen: ‚Horror and more‘ gibt es seit August 2011. Die gleichnamige facebook-Fanseite habe ich circa ein Jahr später eröffnet.

Die Loge: Die zweite Hürde nehmen wir mit doch Leichtigkeit, oder? Finde die Frage zu folgender Antwort: Spritzendes Blut, zerberstende Knochen und ausgeweidete Organe.

Carmen: Was gab es heute bei uns zu Mittag?

Carmen Winand Porträt Horror and MoreDie Loge: Runde drei, freies Antworten. Die Messlatte wird nach und nach höher gelegt:
Wie viele Bücher liest eine werktätige Mutter so im Monat?

Carmen: Laut ‚Horror and More‘ lese ich allerhöchstens zwei Bücher im Monat. Das liegt aber dran, dass ich nicht alle gelesenen Bücher bespreche. Im Blog erscheinen nur Bücher, die ich empfehlenswert finde und die zum Genre passen. Wenn ich nicht gerade mit anderen Dingen beschäftigt bin, lese ich gut und gerne acht bis zehn Bücher im Monat. Ist leider auch oft viel Mist dabei.

Die Loge: E-Book oder limitierte Printauflage?

Carmen: Ich bin bekennende Holzbuchverschlingerin. Obwohl mein Sohn einen eReader besitzt, weigere ich mich standhaft, diesen zu benutzen. Deswegen lehne ich Rezensionsanfragen für E-Books oft ab, wenn sie länger als 100 Seiten sind. Das Lesen am Rechner macht rote Augen und einen Buckel. Ich bin eitel. Das geht gar nicht!

Limitierte und signierte Bücher sind bei mir begehrte Sammelobjekte, die ich mit meinem Leben verteidige. Besucher kennen das Spielchen hier schon. Gucken erlaubt – anfassen wird mit dem Tode oder schlimmer bestraft.

Die Loge: Dass du auf Horror abfährst sollte mittlerweile kein Geheimnis mehr sein. Aber muss es immer die härtere Gangart sein oder freut sich Carmen Weinand auch mal über eine sanfte Vampirromanze à la Twilight oder einen Softporn wie Fünfzig Grauschattentöne?

Carmen: Aaahhh…diese Worte…sie verbrennen mich!!!

Nein, ich bin davon überzeugt, dass Du diese Frage nicht ernst gemeint hast. Aus dem Alter bin ich nicht nur raus – da war ich niemals drin! Meine Familie hat die dringende Anweisung, mich auf der Stelle zu erschießen, wenn sie solche Bücher bei mir finden sollte. Natürlich lese ich auch mal anderes Zeugs. Es gibt da einen tollen, illustrierten Bildband über Serienkiller und … ach, ich schweife ab.

Die Loge: Lass uns etwas mehr auf deine Website zu sprechen kommen. Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen – und vor allem worin liegt deine Motivation – das Leseverhalten der Carmen Weinand öffentlich lesbar bereitzustellen?

Carmen: Irgendwann hatte ich mal die Idee, im Netz nach neuen Lese-Empfehlungen zu suchen. Diese findet man häufig auf Rezensionsseiten. Leider war die Auswahl guter Seiten mehr als dürftig. Das Internet ist voll von Teenie-Blogs, die schmalzige Fantasy besprechen (siehe die grauenvollen Buchtitel weiter oben).
Deshalb dachte ich: Was soll’s? Bauen wir uns einfach einen eigenen Horror-Blog.
Gesagt, getan.

‚Horror and More‘ wurde geboren. Dabei liegt der Schwerpunkt nicht auf dem üblichen Gemecker über miese Machwerke. Ich möchte gerne Bücher empfehlen, die mir Spaß gemacht haben. Das ist übrigens auch der Grund, warum es bei mir (fast) nur positive Rezensionen gibt. Im Moment ist es ja groß in Mode, den Rezensenten vorzuwerfen, dass sie sich für gute Bewertungen kaufen lassen. Ich habe jedenfalls weder die Zeit, noch die Lust, miese Bücher zu lesen, geschweige denn, zu besprechen. Was mich auf den ersten 100 Seiten nicht anspricht, wird abgebrochen und auch nicht vorgestellt.

Die Loge: Auf deiner Seite gibst du auch gerade unbekannten Jungautoren und Indies die Chance, sich vor einer breiten Masse zu präsentieren und zu profilieren. Bietet der reguläre Buchhandel nicht genügend guten Lesestoff?

Horror and More Carmen Weinand Rezensionen Homepage AutorenporträtsCarmen:  Oh doch! Eigentlich müsste ich eines meiner sechs (//Anm. d. Red.: Ich konnte mir das Umschreiben in „sex“ gerade noch verkneifen) Leben nur mit Lesen verbringen. Aber das ist eine andere Geschichte. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein großer Fan von Richard Laymon und Edward Lee bin. Im Prinzip darf ich keine Buchläden betreten.

Durch meine fahrlässige Rumtreiberei auf facebook habe ich erst die Bekanntschaft vieler wirklich guter Indie-Autoren gemacht. Man kann einen Blick hinter die Kulissen werfen und viele wissenswerte Details über den Buchmarkt und das ganze Drumherum lernen. Da war für mich schnell klar, dass man ohne Verlag kaum von seinen Werken leben kann, obwohl man vielleicht eine richtig geile Schreibe drauf hat. Man kann diese wirklich guten Autoren vielleicht ein wenig unterstützen, indem man sie vorstellt, ihre Bücher liest und ein wenig Werbung macht. facebook ist dafür eine gute Plattform – ein gut besuchter Blog aber auch.

Die Loge: Zu guter Letzt für diese Runde: Es wird gemunkelt, dass die Rezensentin der Hölle seit kurzem auch selbst die Feder schwingt und Kurzgeschichten mit blutiger Tinte auf frisch gegerbtes Menschenleder niederschreibt. Ist da etwas wahres dran?

Carmen: Die Buschtrommel spricht die Wahrheit. Aber ich schreibe doch nicht mit Blut auf Menschenleder. Ich bitte Dich! Ich zwinge meine Geschichten per Telepathie in den Rechner (//Anm. C. Weinand: hier irres Lachen einfügen ) Har! Har! Har! (// Anm. d. Red.: Irres Lachen eingefügt, höhö)

Es ist eine Horror-Anthologie mit über zwanzig richtig coolen Autoren geplant, bei der ich mit dabei sein darf. Wenn alles gut läuft, könnte es im Sommer soweit sein. Und dann reiße ich die Weltherrschaft an mich (//Anm. C. Weinand: nochmal irres Lachen an dieser Stelle). Mähähäha! (// Anm. d. Red.: Irres Lachen erneut eingefügt)

Die Loge: Nun die letzte, die alles entscheidende Runde, die Tiiieeffeennnprüüüfffunnnggggg!

Da ich deine Seite schon seit ihren Kindertagen kenne, war ich vor einigen Tagen nicht wenig überrascht, dass du mittlerweile eine Armee von über 1.400 facebook-Schergen zu deinem Gefolge zählst. Nach den jüngsten Dschungelcamp-Skandalen musste natürlich auch deine Seite einer Tiefenprüfung unterzogen werden. Dabei fand ich heraus, dass die meisten User als Lieblingsort „Transsilvanien“ angegeben haben. Außerdem verscherbelst du andauernd Bücher zum Nulltarif. Das klingt ziemlich derbe nach kostenpflichtigen Fans aus dem Vampirgewerbe und gestohlenen Grabbeigaben verstorbener Autoren. Möchtest du das weiter kommentieren?

Carmen: Du glaubst wohl, ich hab Schiss?

Ich denke, die hohe Anzahl meiner facebook-Fans habe ich wohl den Verschenkbüchern zu verdanken. Jeden Samstag verlose ich unter allen Fans eines meiner Rezensionsexemplare. Das hat verschiedene Gründe:

Ich bekomme wirklich viele Bücher zum Nulltarif. Der Autor profitiert davon, wenn es außer mir noch jemand liest. Gute Bücher sollen reisen. Also raus damit! Ich selber behalte nur seltene Sammlerausgaben, die eine persönliche Widmung an mich erhalten. Außerdem sind bei einer 58 Quadratmeter Wohnung irgendwann die Grenzen der Lagerfähigkeit erreicht. Wenn ich alle Bücher behalten würde, müssten mein Mann und mein Sohn ausziehen.

Horror and More Carmen Weinand Rezensionen facebook-Fanseite

Und, last but not least, brauche ich natürlich eine gute Möglichkeit, Fans zu werben. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es funktioniert. Letztlich profitieren davon auch die beworbenen Autoren und Verlage. Macht richtig Spaß!

Hast Du eine Adresse, wo ich noch Fans kaufen kann? (Anm. d. Red.: Ich brauche immer Geld, du kannst dich also direkt an mich wenden) Die Transsilvanier werden mir langsam zu teuer und ich weiß auch wirklich nicht, was ich der Blutbank noch erzählen soll, warum ich schon wieder ein paar Fässer brauche. Danke für Deine Hilfe :-)

Die Loge: Liebe Carmen, du hast alle Fragen wahrheitsgemäß falsch beantwortet. Als Hauptpreis winkt dir ein kostenloser Abdruck in der Online-Ausgabe des Magazins „Die Loge“.

Vielen Dank für das Interview!

Carmen: Ich bedanke mich für die Vorstellung in den heiligen Hallen der Loge. Und denk an die Adressen!!!

Das Interview führe der teuflische Constantin Sauff alias Dark and Cheesy

Interview mit Marc Gore – Vorsicht: bluuuuutig!

Marc Gore ist ein typischer Vertreter der Pulp-Literatur, der sich des Splatters als vorrangiges Stilmittel bedient. Seine Geschichten sind einfach gestrickter Horror mit trivialen Plots. Reale Themen wie Sexualmörder, Psychopathen und Kannibalen sind ebenso Motiv vieler der Erzählungen, wie auch übliche Phantastik in der Art von Zombies, Vampiren, Werwölfen, Hexenflüche und Voodoo. (Quelle: Wikipedia)

Das Interview führte Constantin Sauff

Die Loge: Hallo Marc. Obwohl ich deinen zweiten Versuch als Splatter-Gore-Blutspritz-Autor bereits seit einiger Zeit verfolgen konnte und du sogar einen eigenen Eintrag bei Wikipedia hast, würde ich dich selbst bitten, dich in genau sechs Sätzen vorzustellen. Und wehe, du trickst mit sauvielen Nebensätzen

Marc Gore: Telegrafenstil gefällig? 1. Name ist Marc Gore 2. Geboren in Bremen. 3. Lebe in Delmenhorst. 4. Fan wilder Filme der Bereiche Horror, Action, Gangster, Cop, Sci Fi, Fantasy… 5. Seit einigen Jahren Verfasser eigener Texte aus dem Horrorbereich 6. Ständig auf der Suche nach Supportern, sprich guten Verlegern.

Marc Gore Autor

Die Loge: Wie kam es zu dieser langen, immerhin sieben Jahre währenden Pause vom Schriftstellergeschäft in den Jahren 2003 bis 2010? Hast du in der Zeit einfach aufgehört zu schreiben? Die Hölle kann ja manchmal ganz schön heiß sein, nicht?

Marc Gore: Schlicht und ergreifend Langeweile und Desinteresse. Ich habe zwar in meiner ersten Phase als Autor auch schon Geschichten in Büchern veröffentlicht, aber nur Print On Demand, damals etwa 30-50 D-Mark Eigenbeteiligung zusammen mit den anderen an Bord befindlichen Autoren. Zur Einreichung bei vernünftigen Verlagen fehlte mir in jener Zeit noch die Zuversicht, aber heute würde ich nie wieder von einem Druckkostenverlag Gebrauch machen!

Na ja, am Meisten war ich mit meinen Stories damals aber auf Literaturforen aktiv. Und dort wurde es mit der Zeit immer langweiliger. Immer mehr User wanderten ab und irgendwann verrotteten die Texte einfach nur sinnlos auf den Foren. Da verlor ich mit der Zeit einfach die Lust, noch was zu schreiben. Hab mich dann nur noch auf meine DVD-und Blu Ray-Collection konzentriert, einige Artikel für Musik-Fanzines verfasst …

Das Thema Literatur war für mich absolut ausgelaugt, erledigt. Jetzt im zweiten Anlauf kann ich nicht klagen. Der Twilight Line-Verlag hat seit 2011 eine Anthologirereihe namens ‘Dunkle Seiten’ im Programm, die nach und nach meine alten Stories gemeinsam mit den Werken von anderen begabten Autoren wieder veröffentlicht. Ich veröffentliche neue Geschichten bei seriösen Verlegern, tausche mich wieder mit anderen Autoren aus, und und und. Hoffentlich geht das noch lange so weiter.

Die Loge: Im Dezember 2012 erschien im Twilight Line-Verlag mit der ‘Terror Compilation‘ ein Sammelband nur mit deinen Splatter-Stories. Woraus ziehst du die Inspiration für diese ultrabrutalen Stories?

Marc Gore: Meist Filme. Bin der absolute Movie Nerd. Modernere Inspirationen sind die Filme von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez, aber auch die seligen 80′s, so Lucio Fulci, Joe D’Amato, Brian Yuzna oder George A. Romero befinden sich im Repertoire. Ich sag’ ja, wenn ich die Mittel hätte, Filme zu machen, würd’ ich das sofort tun. Eigentlich kann man sagen, ich schreib’ nur Geschichten, weil mir die Gelegenheiten fehlen, auf einem Regiestuhl Platz zu nehmen, ha ha. Darüber hinaus konsumiere ich viele der alten Action-Gangster-Cop-Streifen der 60er, 70er und 80er. Mir gefällt die Radikalität von Filmen wie ‘Dirty Harry’ und derlei Copstreifen, und auch die ganzen Anarchostreifen a la ‘Mad Max’ und ‘Die Klapperschlange’ lassen mein Herz höher schlagen. Charles Bronson ist mein Favorit, wenn es um 70′s Actionhelden geht. Dem kann quasi jeder am Arsch lecken, er ist stoisch und interessiert sich einen Scheiß um die Probleme um sich herum, greift aber sofort zu Waffe und Fäusten, wenn ihm jemand persönlich ans Bein pisst, und macht Kleinholz. Mein Tipp dazu: ‘Mr. Majestik’, der manchmal in Nachtprogramm flimmert …

The Terror Compilation – Marc GoreImmer, wenn die Helden selber hartgesottene Outlaws sind und keine edelmütigen Gentlemen, sondern ihre Anliegen genau so radikal und konsequent durchboxen wie ihre Gegenspieler von der vermeintlich bösen Seite … Immer, wenn auf Political Correctness geschissen wird, bin ich an vorderster Front zu finden. Ich glaube, eine Menge dieser Botschaften fließt mal mehr, mal weniger unterschwellig auch in meine Geschichten mit ein. Ich habe kaum richtig gutmütige und strahlende Helden. Die meisten meiner Figuren agieren ohne mit der Wimper zu zucken gewalttätig und sind im Grunde ebenso fies wie die Gegner. Guck dir mal meine Figur Charles Logan aus der Geschichte ‘Monster Squad’ in der ‘Terror Compilation’ an: Der fordert zwar von seinem Betthäschen ganz konsequent körperliche Zuwendung an, rettet sie auf der einen Seite aber auch vor einer Horde Zombies und einer Bande von Vergewaltigern. Ganz uneigennützig sind seine Heldentaten also nicht, he he.

Ich kann ja auch mit alten Comics vom Ghost Rider etwa auch viel mehr anfangen als mit strahlenden Überhelden der Marke Batman und Superman, die viel zu viele moralische Grundsätze vertreten. Der Ghost Rider oder auch der Punisher dagegen waren in Comics und Filmen eiskalte Rächer, die jeden platt gemacht haben, der sich ihnen in den Weg stellte. Wie du mir, so ich dir, ganz klare Devise! Und ein Film wie etwa Robert Rodriguez’ Adaption der ‘Sin City’-Comics lässt immer wieder mein Herz höher schlagen, weil es darin eigentlich nur Verbrecher gibt und keine regelrechten Helden.

Die Loge: Seit einigen Wochen bist du ein sehr aktiver facebook-Nutzer und regst auch immer wieder kritische Diskussionen an, denen du dich auch offen und ehrlich stellst. Zum Beispiel fragst du in bestimmten Autoren- und Leserportalen, wieso denn in Filmen und Büchern so oft Halt vor der Folter und Verstümmlung von Kindern Halt gemacht wird.

Woher kommt diese Freude an – zumindest fiktiver – Gewalt und einer amoralischen, zynischen Welt?

Marc Gore: Nun ja, das war bei mir schon immer so mit dieser düsteren Vorliebe. Ich habe mir immer gerne bedrohliche, sicke Szenarien im Hirn ausgemalt. Und das mit den den Kinderszenen … Das ist wahrscheinlich wirklich das letzte Tabu, mit dem man das Publikum schockieren kann. Bisher sind drastische Morde an Kindern ja wirklich nur absolute Ausnahmen, wie etwa in der ‘Men Behind The Sun’-Reihe, ‘Dawn Of The Dead’ mit den Kinderzombies, ‘The Untold Story’, ‘Rabid Grannies’, oder das neueste Beispiel der Angriff mutierter Geier auf einen Angler und seien kleine Nichte und Neffe in ‘The Rage’.

Es ist doch viel realer und konsequenter, wenn das Monster oder der Killer in einem Film wirklich vor nichts und niemandem Halt macht und absolut jedes Leben auslöscht. Freddy Krueger wird doch immer als Kindermörder deklariert, vergreift sich letztendlich aber nur an jungen Erwachsenen oder Teenagern. Und Jason Vorhees macht in seinem Camp schön brav Halt vor kleinen Kindern und greift sich nur Opfer der Altersgruppe 16 Plus. Michael Myers ebenso. Viel konsequenter wäre es doch, wenn diese Leinwandkiller eben rücksichtslos auf alles einschlagen würden, oder nicht? Reale Amokläufer und Serienkiller, wie wir sie immer wieder mal in den Medien zu sehen kriegen, sind da doch viel rücksichtsloser. Ich war in meinen alten Serienkillerstories der Sorte ‘Chopper’ und ‘Orgiastic’ da viel konsequenter und habe meine Killer wirklich ganze Familien abschlachten lassen.

Dafür wurde mir damals oft nachgesagt, ich gehörte in eine Anstalt und sei pervers und solche Scherze, har har. So was kam sogar von Horrorfans, nicht nur von Gegnern des Genres. Ich glaube, diese sogenannten Genre-Fans waren dann nicht wirklich vorbereitet auf harte Schockeffekte, sondern wollten leicht verdauliches Gruselzeugs. Aber gerade in Zeiten, in denen realistischer Horror mit möglichst realistischen Massenmördern im Trend liegen, sollten eben diese Killer wirklich als kalte Tötungsmaschinen funktionieren, die keine Tabus kennen. Das gilt ja nun sowohl für Literatur als auch Film. Deshalb fand ich etwa einen Film wie ‘The Untold Story’ immer wesentliche konsequenter als etwa die ‘Friday’-Filme, weil der Mörder eben letztendlich brutaler und tabuloser wütete.

Die Asiaten scheinen in ihren Filmen generell weniger Hemmungen zu kennen als die westlichen Filmemacher. Ich seh’ das ganz nüchtern: Die Kinder sind ja letzten Endes auch nur Darsteller, die nicht zu Schaden kommen, mit den anderen Schauspielern an den Sets vielleicht Spaß haben in den Drehpausen. Ich hätte mich als achtjähriger Junge tierisch gefreut, wenn ich da das Angebot gehabt hätte, in einem Film vor einem Mörder abhauen zu müssen, das ist doch ein viel größerer Nervenkitzel als eine Fahrt mit der Geisterbahn. Das muss für den Darsteller des kleinen Jungen etwa in dem Film ‘Absurd’, der ja aus der Verwandtschaft eines der Filmemachers stammte, so viel ich weiß, eine ungeheuer spannende Sache gewesen sein. So nüchtern muss man das Ganze mal betrachten. Viel schlimmer dagegen finde ich das Abschlachten lebender Tiere für einen Film. Ich würde zwar sehr gern ein Remake von ‘Cannibal Holocaust’ drehen, aber dann ohne Ausweiden von Schildkröten oder das Aufschlitzen von Ameisenbären. Bei mir gäbe es an der Stelle nur gute F/X.

Die Loge: Wie stelle ich mir Marc Gore als Privatmann vor? Gibt es auch Tendenzen im echten Leben, vor denen wir Leser uns fürchten müssten oder bist du eigentlich ganz brav und handzahm?

Marc Gore: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Wie du mir gegenüber trittst, so gehe ich auch mit dir um, ganz einfach. Wenn irgendein Wichser mir einen Haufen Ärger bereiten will und mich angreift, schlage ich eben entsprechend zurück. Man kann mit mir so lange gut auskommen, wie man mir keine Probleme bereitet. Bei einer hübschen Lady bin ich zum Beispiel geradezu handzahm, bei einem pöbelnden Motherfucker nachts auf der Straße setze ich hübsch meine Stahlkappen und Fäuste ein, he he. Im Grunde bin ich aber ein Verfechter des eher lässigen Lebensstiles, so wie der Bär Balu aus dem Dschungelbuch. Gemütlich in der Sonne liegen und sich einfach treiben lassen. Ich steh total auf die südliche Lebensweise, die Spanier etwa mit der strikt eingehaltenen Siesta. Wenn man es mal genauer betrachtet, ist gerade in meinen Stories wie etwa ‘Two Crude Ones’, ‘Monster Squad’ oder ‘Psycho Route 66′ neben all dem Splatterfaktor auch ein Schuß Südstaatenromantik eingeflochten – heiße Wüste, Staub, Siesta … Ich liebe so ein Flair.

Ein bis zweimal im Jahr häng’ ich meine Wampe unter die heiße andalusische Sonne, lass mich mit Pina Colada volllaufen und massier’ mir die Klötze. Ich brauch das, das gleicht mein Leben in einem kalten, grauen Norddeutschland ungemein aus.

Die Loge: Anfangs habe ich schon kurz deinen Wikipedia-Eintrag erwähnt. Der ist ja in einem recht kritischem Ton verfasst und bemängelt unter anderem deinen einfachen, inflationär von Adjektiven heimgesuchten Schreibstil. Aber jetzt mal Hand aufs Herz: Wenn ich mir den Benutzernamen und die Beschreibung des Erstellers des Wikipedia-Eintrages anschaue, dann sieht das doch stark nach dir aus, Marc, oder?

Marc Gore: Har har har, im Ernst: Viele Newcomer haben sich doch schon erste kurze Notizen auf Wikipedia zurecht geschrieben, und so stehen viele der breiten Masse noch unbekannte Buchautoren oder Filmleute auf der Seite. Ich habe ja nur einen allerersten Anstoß geliefert und nüchtern die Daten und Fakten sowie eine Auflistung der Publikationen abgeliefert. Man wird ja sehen, wie weit der Artikel im Laufe der Jahre noch wächst, was ganz andere Schreiberlinge noch so hinzufügen werden. Der Wikipedia-Eintrag ist offiziell abgesegnet und verbreitet ja keine Unwahrheiten, daher habe ich keine Probleme damit, dazu zu stehen. Unter dem Begriff ‘Horrorliteratur’ findest du bei Wikipedia ja auch eine Abhandlung, unter der Links für viele Nachwuchsautoren gesetzt sind, unter denen sie ihre Vita posten könnten. Einige von uns werden dort also tatsächlich schon explizit erwähnt, siehe den Abschnitt ‘Horrorautoren der Gegenwart’. Kein Witz! Das erst brachte mich ja auf die Idee.

Die Loge: Zu guter Letzt bleibt der Blick nach vorn: Was erwartet uns im Jahr 2013 von Marc Gore?

Marc Gore: Einige neue Geschichten sind fertig, und mit neuem Verleger im Hintergrund, der hoffentlich ordentlich Promotion macht, wird bald der Nachfolgeband der ‘Terror Compilation’ veröffentlicht. Außerdem gibt es da noch einen Beitrag für die kommende ‘Horror-Almanach‘-Anthologie zu Ostern. Die alten Geschichten von mir aus den Dunklen Seiten, die anfangs schon erwähnt wurden, werden auch zu einem neuen Sammelband zusammen gefasst und noch mal aufgelegt. Ansonsten? Mal sehen, was sich ergibt. Solltest du noch mal eine meiner Stories für deine Anthologie als unpassend ablehnen, zieh ich dir die Eier lang, har har har, comprende Hombre?

Die Loge: Vielen Dank, dass du dich meinen teilweise etwas fiesen Fragen gestellt hast. Aber harte Kerle müssen zeigen, wie viel Gewicht sie stemmen können. „Rambo? Rambo’s a pussy!“

Marc Gore: If it’s too hard, you’re too soft Bro! Und wir sind ja keine verweichlichten Schwuchteln, oder? Immer schön menschenfeindliche, gewaltverherrlichende Metzelfilme konsumieren und supporten!! Hang around, shake your Balls, have a fuckin’ good Time!