Marc Gore ist ein typischer Vertreter der Pulp-Literatur, der sich des Splatters als vorrangiges Stilmittel bedient. Seine Geschichten sind einfach gestrickter Horror mit trivialen Plots. Reale Themen wie Sexualmörder, Psychopathen und Kannibalen sind ebenso Motiv vieler der Erzählungen, wie auch übliche Phantastik in der Art von Zombies, Vampiren, Werwölfen, Hexenflüche und Voodoo. (Quelle: Wikipedia)
Das Interview führte Constantin Sauff
Die Loge: Hallo Marc. Obwohl ich deinen zweiten Versuch als Splatter-Gore-Blutspritz-Autor bereits seit einiger Zeit verfolgen konnte und du sogar einen eigenen Eintrag bei Wikipedia hast, würde ich dich selbst bitten, dich in genau sechs Sätzen vorzustellen. Und wehe, du trickst mit sauvielen Nebensätzen
Marc Gore: Telegrafenstil gefällig? 1. Name ist Marc Gore 2. Geboren in Bremen. 3. Lebe in Delmenhorst. 4. Fan wilder Filme der Bereiche Horror, Action, Gangster, Cop, Sci Fi, Fantasy… 5. Seit einigen Jahren Verfasser eigener Texte aus dem Horrorbereich 6. Ständig auf der Suche nach Supportern, sprich guten Verlegern.

Die Loge: Wie kam es zu dieser langen, immerhin sieben Jahre währenden Pause vom Schriftstellergeschäft in den Jahren 2003 bis 2010? Hast du in der Zeit einfach aufgehört zu schreiben? Die Hölle kann ja manchmal ganz schön heiß sein, nicht?
Marc Gore: Schlicht und ergreifend Langeweile und Desinteresse. Ich habe zwar in meiner ersten Phase als Autor auch schon Geschichten in Büchern veröffentlicht, aber nur Print On Demand, damals etwa 30-50 D-Mark Eigenbeteiligung zusammen mit den anderen an Bord befindlichen Autoren. Zur Einreichung bei vernünftigen Verlagen fehlte mir in jener Zeit noch die Zuversicht, aber heute würde ich nie wieder von einem Druckkostenverlag Gebrauch machen!
Na ja, am Meisten war ich mit meinen Stories damals aber auf Literaturforen aktiv. Und dort wurde es mit der Zeit immer langweiliger. Immer mehr User wanderten ab und irgendwann verrotteten die Texte einfach nur sinnlos auf den Foren. Da verlor ich mit der Zeit einfach die Lust, noch was zu schreiben. Hab mich dann nur noch auf meine DVD-und Blu Ray-Collection konzentriert, einige Artikel für Musik-Fanzines verfasst …
Das Thema Literatur war für mich absolut ausgelaugt, erledigt. Jetzt im zweiten Anlauf kann ich nicht klagen. Der Twilight Line-Verlag hat seit 2011 eine Anthologirereihe namens ‘Dunkle Seiten’ im Programm, die nach und nach meine alten Stories gemeinsam mit den Werken von anderen begabten Autoren wieder veröffentlicht. Ich veröffentliche neue Geschichten bei seriösen Verlegern, tausche mich wieder mit anderen Autoren aus, und und und. Hoffentlich geht das noch lange so weiter.
Die Loge: Im Dezember 2012 erschien im Twilight Line-Verlag mit der ‘Terror Compilation‘ ein Sammelband nur mit deinen Splatter-Stories. Woraus ziehst du die Inspiration für diese ultrabrutalen Stories?
Marc Gore: Meist Filme. Bin der absolute Movie Nerd. Modernere Inspirationen sind die Filme von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez, aber auch die seligen 80′s, so Lucio Fulci, Joe D’Amato, Brian Yuzna oder George A. Romero befinden sich im Repertoire. Ich sag’ ja, wenn ich die Mittel hätte, Filme zu machen, würd’ ich das sofort tun. Eigentlich kann man sagen, ich schreib’ nur Geschichten, weil mir die Gelegenheiten fehlen, auf einem Regiestuhl Platz zu nehmen, ha ha. Darüber hinaus konsumiere ich viele der alten Action-Gangster-Cop-Streifen der 60er, 70er und 80er. Mir gefällt die Radikalität von Filmen wie ‘Dirty Harry’ und derlei Copstreifen, und auch die ganzen Anarchostreifen a la ‘Mad Max’ und ‘Die Klapperschlange’ lassen mein Herz höher schlagen. Charles Bronson ist mein Favorit, wenn es um 70′s Actionhelden geht. Dem kann quasi jeder am Arsch lecken, er ist stoisch und interessiert sich einen Scheiß um die Probleme um sich herum, greift aber sofort zu Waffe und Fäusten, wenn ihm jemand persönlich ans Bein pisst, und macht Kleinholz. Mein Tipp dazu: ‘Mr. Majestik’, der manchmal in Nachtprogramm flimmert …
Immer, wenn die Helden selber hartgesottene Outlaws sind und keine edelmütigen Gentlemen, sondern ihre Anliegen genau so radikal und konsequent durchboxen wie ihre Gegenspieler von der vermeintlich bösen Seite … Immer, wenn auf Political Correctness geschissen wird, bin ich an vorderster Front zu finden. Ich glaube, eine Menge dieser Botschaften fließt mal mehr, mal weniger unterschwellig auch in meine Geschichten mit ein. Ich habe kaum richtig gutmütige und strahlende Helden. Die meisten meiner Figuren agieren ohne mit der Wimper zu zucken gewalttätig und sind im Grunde ebenso fies wie die Gegner. Guck dir mal meine Figur Charles Logan aus der Geschichte ‘Monster Squad’ in der ‘Terror Compilation’ an: Der fordert zwar von seinem Betthäschen ganz konsequent körperliche Zuwendung an, rettet sie auf der einen Seite aber auch vor einer Horde Zombies und einer Bande von Vergewaltigern. Ganz uneigennützig sind seine Heldentaten also nicht, he he.
Ich kann ja auch mit alten Comics vom Ghost Rider etwa auch viel mehr anfangen als mit strahlenden Überhelden der Marke Batman und Superman, die viel zu viele moralische Grundsätze vertreten. Der Ghost Rider oder auch der Punisher dagegen waren in Comics und Filmen eiskalte Rächer, die jeden platt gemacht haben, der sich ihnen in den Weg stellte. Wie du mir, so ich dir, ganz klare Devise! Und ein Film wie etwa Robert Rodriguez’ Adaption der ‘Sin City’-Comics lässt immer wieder mein Herz höher schlagen, weil es darin eigentlich nur Verbrecher gibt und keine regelrechten Helden.
Die Loge: Seit einigen Wochen bist du ein sehr aktiver facebook-Nutzer und regst auch immer wieder kritische Diskussionen an, denen du dich auch offen und ehrlich stellst. Zum Beispiel fragst du in bestimmten Autoren- und Leserportalen, wieso denn in Filmen und Büchern so oft Halt vor der Folter und Verstümmlung von Kindern Halt gemacht wird.
Woher kommt diese Freude an – zumindest fiktiver – Gewalt und einer amoralischen, zynischen Welt?
Marc Gore: Nun ja, das war bei mir schon immer so mit dieser düsteren Vorliebe. Ich habe mir immer gerne bedrohliche, sicke Szenarien im Hirn ausgemalt. Und das mit den den Kinderszenen … Das ist wahrscheinlich wirklich das letzte Tabu, mit dem man das Publikum schockieren kann. Bisher sind drastische Morde an Kindern ja wirklich nur absolute Ausnahmen, wie etwa in der ‘Men Behind The Sun’-Reihe, ‘Dawn Of The Dead’ mit den Kinderzombies, ‘The Untold Story’, ‘Rabid Grannies’, oder das neueste Beispiel der Angriff mutierter Geier auf einen Angler und seien kleine Nichte und Neffe in ‘The Rage’.
Es ist doch viel realer und konsequenter, wenn das Monster oder der Killer in einem Film wirklich vor nichts und niemandem Halt macht und absolut jedes Leben auslöscht. Freddy Krueger wird doch immer als Kindermörder deklariert, vergreift sich letztendlich aber nur an jungen Erwachsenen oder Teenagern. Und Jason Vorhees macht in seinem Camp schön brav Halt vor kleinen Kindern und greift sich nur Opfer der Altersgruppe 16 Plus. Michael Myers ebenso. Viel konsequenter wäre es doch, wenn diese Leinwandkiller eben rücksichtslos auf alles einschlagen würden, oder nicht? Reale Amokläufer und Serienkiller, wie wir sie immer wieder mal in den Medien zu sehen kriegen, sind da doch viel rücksichtsloser. Ich war in meinen alten Serienkillerstories der Sorte ‘Chopper’ und ‘Orgiastic’ da viel konsequenter und habe meine Killer wirklich ganze Familien abschlachten lassen.
Dafür wurde mir damals oft nachgesagt, ich gehörte in eine Anstalt und sei pervers und solche Scherze, har har. So was kam sogar von Horrorfans, nicht nur von Gegnern des Genres. Ich glaube, diese sogenannten Genre-Fans waren dann nicht wirklich vorbereitet auf harte Schockeffekte, sondern wollten leicht verdauliches Gruselzeugs. Aber gerade in Zeiten, in denen realistischer Horror mit möglichst realistischen Massenmördern im Trend liegen, sollten eben diese Killer wirklich als kalte Tötungsmaschinen funktionieren, die keine Tabus kennen. Das gilt ja nun sowohl für Literatur als auch Film. Deshalb fand ich etwa einen Film wie ‘The Untold Story’ immer wesentliche konsequenter als etwa die ‘Friday’-Filme, weil der Mörder eben letztendlich brutaler und tabuloser wütete.
Die Asiaten scheinen in ihren Filmen generell weniger Hemmungen zu kennen als die westlichen Filmemacher. Ich seh’ das ganz nüchtern: Die Kinder sind ja letzten Endes auch nur Darsteller, die nicht zu Schaden kommen, mit den anderen Schauspielern an den Sets vielleicht Spaß haben in den Drehpausen. Ich hätte mich als achtjähriger Junge tierisch gefreut, wenn ich da das Angebot gehabt hätte, in einem Film vor einem Mörder abhauen zu müssen, das ist doch ein viel größerer Nervenkitzel als eine Fahrt mit der Geisterbahn. Das muss für den Darsteller des kleinen Jungen etwa in dem Film ‘Absurd’, der ja aus der Verwandtschaft eines der Filmemachers stammte, so viel ich weiß, eine ungeheuer spannende Sache gewesen sein. So nüchtern muss man das Ganze mal betrachten. Viel schlimmer dagegen finde ich das Abschlachten lebender Tiere für einen Film. Ich würde zwar sehr gern ein Remake von ‘Cannibal Holocaust’ drehen, aber dann ohne Ausweiden von Schildkröten oder das Aufschlitzen von Ameisenbären. Bei mir gäbe es an der Stelle nur gute F/X.
Die Loge: Wie stelle ich mir Marc Gore als Privatmann vor? Gibt es auch Tendenzen im echten Leben, vor denen wir Leser uns fürchten müssten oder bist du eigentlich ganz brav und handzahm?
Marc Gore: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Wie du mir gegenüber trittst, so gehe ich auch mit dir um, ganz einfach. Wenn irgendein Wichser mir einen Haufen Ärger bereiten will und mich angreift, schlage ich eben entsprechend zurück. Man kann mit mir so lange gut auskommen, wie man mir keine Probleme bereitet. Bei einer hübschen Lady bin ich zum Beispiel geradezu handzahm, bei einem pöbelnden Motherfucker nachts auf der Straße setze ich hübsch meine Stahlkappen und Fäuste ein, he he. Im Grunde bin ich aber ein Verfechter des eher lässigen Lebensstiles, so wie der Bär Balu aus dem Dschungelbuch. Gemütlich in der Sonne liegen und sich einfach treiben lassen. Ich steh total auf die südliche Lebensweise, die Spanier etwa mit der strikt eingehaltenen Siesta. Wenn man es mal genauer betrachtet, ist gerade in meinen Stories wie etwa ‘Two Crude Ones’, ‘Monster Squad’ oder ‘Psycho Route 66′ neben all dem Splatterfaktor auch ein Schuß Südstaatenromantik eingeflochten – heiße Wüste, Staub, Siesta … Ich liebe so ein Flair.
Ein bis zweimal im Jahr häng’ ich meine Wampe unter die heiße andalusische Sonne, lass mich mit Pina Colada volllaufen und massier’ mir die Klötze. Ich brauch das, das gleicht mein Leben in einem kalten, grauen Norddeutschland ungemein aus.
Die Loge: Anfangs habe ich schon kurz deinen Wikipedia-Eintrag erwähnt. Der ist ja in einem recht kritischem Ton verfasst und bemängelt unter anderem deinen einfachen, inflationär von Adjektiven heimgesuchten Schreibstil. Aber jetzt mal Hand aufs Herz: Wenn ich mir den Benutzernamen und die Beschreibung des Erstellers des Wikipedia-Eintrages anschaue, dann sieht das doch stark nach dir aus, Marc, oder?
Marc Gore: Har har har, im Ernst: Viele Newcomer haben sich doch schon erste kurze Notizen auf Wikipedia zurecht geschrieben, und so stehen viele der breiten Masse noch unbekannte Buchautoren oder Filmleute auf der Seite. Ich habe ja nur einen allerersten Anstoß geliefert und nüchtern die Daten und Fakten sowie eine Auflistung der Publikationen abgeliefert. Man wird ja sehen, wie weit der Artikel im Laufe der Jahre noch wächst, was ganz andere Schreiberlinge noch so hinzufügen werden. Der Wikipedia-Eintrag ist offiziell abgesegnet und verbreitet ja keine Unwahrheiten, daher habe ich keine Probleme damit, dazu zu stehen. Unter dem Begriff ‘Horrorliteratur’ findest du bei Wikipedia ja auch eine Abhandlung, unter der Links für viele Nachwuchsautoren gesetzt sind, unter denen sie ihre Vita posten könnten. Einige von uns werden dort also tatsächlich schon explizit erwähnt, siehe den Abschnitt ‘Horrorautoren der Gegenwart’. Kein Witz! Das erst brachte mich ja auf die Idee.
Die Loge: Zu guter Letzt bleibt der Blick nach vorn: Was erwartet uns im Jahr 2013 von Marc Gore?
Marc Gore: Einige neue Geschichten sind fertig, und mit neuem Verleger im Hintergrund, der hoffentlich ordentlich Promotion macht, wird bald der Nachfolgeband der ‘Terror Compilation’ veröffentlicht. Außerdem gibt es da noch einen Beitrag für die kommende ‘Horror-Almanach‘-Anthologie zu Ostern. Die alten Geschichten von mir aus den Dunklen Seiten, die anfangs schon erwähnt wurden, werden auch zu einem neuen Sammelband zusammen gefasst und noch mal aufgelegt. Ansonsten? Mal sehen, was sich ergibt. Solltest du noch mal eine meiner Stories für deine Anthologie als unpassend ablehnen, zieh ich dir die Eier lang, har har har, comprende Hombre?
Die Loge: Vielen Dank, dass du dich meinen teilweise etwas fiesen Fragen gestellt hast. Aber harte Kerle müssen zeigen, wie viel Gewicht sie stemmen können. „Rambo? Rambo’s a pussy!“
Marc Gore: If it’s too hard, you’re too soft Bro! Und wir sind ja keine verweichlichten Schwuchteln, oder? Immer schön menschenfeindliche, gewaltverherrlichende Metzelfilme konsumieren und supporten!! Hang around, shake your Balls, have a fuckin’ good Time!
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